Tiroler-Vorarlberger Bienen-Zeitung – April 1930

Ein modernes Bienenhaus.

Feldkirch, eine Städteperle, die durch die Lieblichkeit der Gegend und durch den Reiz einer höchst eigenartigen Lage fesselt, die „kleine Stadt mit großen Erinnerungen“, das „Walgaustädtchen“ und weitberühmte „Studierstädtle“, könnte mit Recht auch ein Immenstädtchen genannt werden.

Im Lehrerseminar wird daselbst die Bienenzucht seit 1892 betrieben. Zwanzig Jahre lang hatten die fleißigen Honigsammler an dem weit und breit bekannten Herrn Professor Dr. Haverius einen treubesorgten Bienenvater, der mit unermüdlichem Fleiß, mit Geschick und Erfolg die rastlosen Himmelsvöglein hegte und pflegte.
Nachdem sich 1912 der erste Bienenvaters des Seminars allzufrüh zur ewigen Ruhe gelegt hatte, sank infolge Mangels eines geschulten Nachfolgers die Zahl der Völker bis auf vier.

Herr Prof. Landsberg griff nun mit sicherer Hand ein und brachte es 1913 auf 12 Völker. Jetzt noch immer ist er an der Anstalt unermüdlich tätig, jedoch das Amt des Bienenvaters übergab er 1914 dem gegenwärtigen Bienenfreund.

Schwere Kriegsjahre, nasse, honigarme, von Bienenkrankheiten heimgesuchte Jahre mußten vergehen, bis im Jahre 1926 die alte Bienenhütte durch ein neuzeitliches Bienenheim ersetzt werden konnte. Wer in dieses neue Haus eintritt glaubt sich in ein Wohngebäude versetzt und nicht wenige haben schon gerufen: „Ah, das ist ja eine Wohnung!“ Durch sein angenehmes Äußere sowie wegen der praktischen Einrichtung findet es den Beifall aller freundlichen Besucher. Es mißt in der Länge 7 m, in der Breite 3 m und die innere Höhe beträgt 2.3 m. Die Lage hat Südostrichtung. Der ganze Bau ruht auf 6 Eisenröhren, die umgeben von Blechtrichtern, in Zementsockel eingemauert sind.
Damit ist den ärgsten Feinden der Bienen, nämlich Ameisen und Mäusen, der Zutritt verwehrt, die die Trichter sind stets mit Wasser oder Oel gefüllt. Unter dem Immenheim ist ein Luftraum von ungefähr 40 cm Höhe, wodurch die schädlichen Wirkungen der Feuchtigkeit vermieden werden.
Die Stirnwand besteht aus 8 cm dicken Balken von Tannenholz. Sie ist außen ver-schalt und innen mit einer dicken Schichte Seegras gefüttert, was mit der doppelten Verschalung der anderen Wände und dem gedielten Boden möglichst großen Wärmeschutz verbürgt. Seitlich hat die Flugront einen Windschutz.
Die Fluglöcher sind also mehrfach gegen lästigen Luftzug verwahrt. Jeder Stock hat vor sich eine Veranda von mindestens 12 cm Tiefe. Außen sowohl wie im In-nern des Baues sind die Wände mit Ocker und Oel eingelassen. Die Rillen der Au-ßenseiten sind grün.
In der Mitte der Flugfront ist oben eine aus Holz geschnitzte Königin zu sehen, die über eine Wabe spaziert. Links und rechts davon ist auf zwei weißen Schildern der Spruch verteilt: „Willst du der Künste Höchstes sehn, bleib vor dem Bienenstocke stehen.“ Über der Eingangstür ist das Bild „Jesus segnet die Bienen“ zu sehen. Et-was tiefer befindet sich rechter Hand der hl. Abrosius im Bienenkorb, linker Hand ein Schwarmeinfänger. Die zwei letzten Bilder von einem Zögling des Hauses gemalt.
Oberhalb jeder Flugöffnung ist ein weithin sichtbares Merkzeichen in Form von einfachen geometrischen Figuren mit verschiedenen Farbenzusammenstellungen angebracht. Der Einflug hat bei jedem Stock eine andere Form.
Die doppelwandigen Seiten (auch Fußboden und Decke) des Bienenhauses sind mit einem Gemisch von Sägespäne und Karbidkalk gefüttert. Der Eingang an der Ostseite besetzt eine Doppeltüre.

Wie auf hinreichende Weise für Wärmeschutz gesorgt ist, so besitzt das Heim der Sonnenvöglein auch reichlich Licht. Die Rückwand hat vier Fenster, die Westseite eines. Alle sind unten mit einer Bienenflucht versehen. Mehrere elektrische Birnen ermöglichen darin Arbeiten zu jeder Zeit. Durch zierliche Fensterläden läßt sich der Raum vollkommen verdunkeln.
Im geräumigen Dachboden ist an der Flugseite ein passender Einsatz mit Fenster, woselbst nötigenfalls auch zwei Völker untergebracht werden könnten.
Der ganzen Vorderseite entlang ruht unter der ersten Etage auf vier Sockeln eine Holzbrücke von 1 m Breite, um den Auswurf der Völker beobachten zu können.
Das Dach, welches an der Flugfront verlängert wurde, ist mit Eternit gedeckt.
Der Innenraum des Bienenhauses hat an der Westseite eine abgeschlossene Schleuderkammer und ist mit vielen Imkerspruchtafeln ausgestattet.
Vor allem aber fällt in die Augen das Bild vom St. Ambrosius, dem Patron der Imker. Sodann sehen wir den Bienenmeister Dzierzon und Freiherrn von Ehrenfels. Auch die kleine hl. Theresia „eine geheiligte Bienen“, fehlt nicht.
Der Bienenstand hat in zwei Etagen Platz für 32 Völker. Als Bienenwohnungen hat das Seminar im Jahre 1926 den Vorarlberger Einheitsstock eingeführt, nämlich den Bürki-Jekerkasten, u. zw. den dreistöckigen Hochwabenstock.

In einer Entfernung von 6 m ist eine originelle Bienentränke errichtet. Aus einer Wasserleitung fallen die Tropfen auf schmale Brettchen, die im Zickzack überein-ander liegen.
Die nächste Umgebung bietet den Bienen: Haselnuß, Erle, gelben Hartriegel, Salweide, Stachelbeere, Himbeere, Schneebeere, Spierstrauch, Forsytia, Geißblatt, Spitzahorn, wilden Wein, Linde Akazie, Götterbaum; ferner Schneeglöcklein, Goldrute, Vergißmeinnicht, Boretsch, Heiderich, Kugeldistel, Melisse, Hubamklee, Reseda, Sonnenblume, Wasserhanf und Gailardia. Letztere wird über 1 m hoch und blüht bis zum Eintritt der Kälte, liefert also den letzten Blütenstaub.

Im Feldkircher Lehrerseminar, wo viele frohe Studenten gleich emsigen Bienen ein „süßes Endresultat“ erstreben, wird von jeher großes Gewicht darauf gelegt, den Zöglingen große Liebe zur Pflege der Honigvögelein einzuimpfen und ihnen zu zeigen, welch hohe Bedeutung die Bienenzucht für den Lehrer hat.
Mit Freude und Begeisterung lauschen die jungen Bienenfreunde beim Unterricht und greifen wacker zu, wenn es Arbeiten am Bienenstande oder im Garten gibt. Viele abonieren verschiedene Bienenzeitschriften oder vertiefen sich in ein schönes Buch über die Sonnenvögelein.

Unter den 1400 Lehrern, die bis jetzt aus dem Seminar hervorgegangen sind, dürften schätzungsweise 300 Imker sein. Besonders erfreuliche Erfolge auf diesem Gebiete sehen wir unter der Lehrerschaft vom „Ländle“.
Gegenwärtig sind 80 Imker in Vorarlberg, die sich schon im Lehrerseminar in die Bienenkunde eingelebt haben. Es würde zu weit führen, wollte man hier all die wackeren Bienenväter mit klingenden Namen aufzuzählen die nun hervorragende Stellen bekleiden und als Wanderlehrer oder Seuchenwarte Großes leisten.
Der bekannteste dieser Tüchtigen ist Herr Obmann, Lehrer Karl Zerlauth, der nicht nur im „Ländle“ sondern auch weit darüber hinaus einen großen Namen hat. Als „Karl von Ardetzenberg“ kennt ihn die „Grüne“ schon lange und als praktischen Ratgeber und freudigen, opferwilligen Helfer in der Not können sowohl das Seminar als auch ungezählte andere in allen Tälern des Landes sein Lob verkünden.

Möge das Bienenhaus des Lehrerseminars noch für viele der Anfang sein, ein so glänzender Bienenmeister zu werden.

Cunibert Lukas.

Standort Duxgasse in Richtung Blasenberg