Tiroler-Vorarlberger Bienenzeitung, November 1932


 

Ein Gang durch die Bienenzuchtausstellung in Feldkirch, 1. bis 9. Oktober 1932.

Die Söller der Volkshalle in Feldkirch werden durch die reiche Ausstellung der Obstbau= und Bienenzuchtvereine beherrscht.
Zwischen Beiden hat das naturhistorische Museum in Dornbirn den Zusammenhang zwischen Obst und Bienenzucht durch anschauliche Bilder und Tafeln dargestellt, die davon erzählen, daß Obstbau und Bienenzucht auf einander anggewiesen sind und daß die Bienen bei den Obstblüten Nektar und Bienenbrot (Blütenstaub) zu ihrer eigenen und zur Ernährung ihrer Brut holen und daß sie gleichsam als Dankbarkeit dabei den männlichen Samen der Obstblüten auf die weiblichen Stempelgefäße übertragen und dadurch das geheimnisvolle Werk der Befruchtung herbeiführen.
Dabei ermöglicht die wunderbare Einrichtung der Blütenstetigkeit der fleißi-gen Nektarsammlerinnen die sortenrechte Befruchtung. Allerdings, die Wichtigkeit der Biene erschöpft sich nicht in der Bestäubung der Obstblüten, denn noch eine Reihe anderer landwirtschaftlicher Nutzpflanzen sind von der Blütenbestäubung durch die Biene abhängig, um eine befriedigende Ernte zu er-geben.

Bewegliche Modelltafeln mehrerer Blüten des Herrn Lehrer Längle in Höchst lassen fesselnd und anschaulich die sinnreichen Vorgänge dieser Geheimnisse erkennen.

Auf dem nächsten Stand fängt ein Getriebe riesiger Honigräder des Verbandsobmannes Franz Fußenegger, Dornbirn (mit dem 2. Preise ausgezeichnet) aus feinduftendem, sonnengelbem Wachs den Blick, aus dem ein findiger Vorfahre künstlich den Wabenbauanfang der Bienen preßte, um ihnen die Bauarbeit im Stocke zu erleichtern.
Die Bienen sind selbst die geschicktesten Baumeister, denn sie verbinden beim Bau ihrer Waben, die sowohl ihrer Fortpflanzung als auch der haltbaren Aufbewahrung ihres köstlichen Erzeugnisses, des Honigs, dienen, nicht nur größte Raumersparnis, sonder auch zweckmäßigste Festigkeit.
Ist es nicht ein Wunder, daß eine weiche Wachswabe einen Honigvorrat von zwei bis 3 Kilogramm aufzunehmen und fest zu verwahren vermag?
Kunstvolle Gebilde aus Wachs reihen sich an wie Kuchen, ein Zwergdill, Christus am Kreuz usw. Auch eine Kugel aus Kittharz, jener Sinfonie an Wohlgerüchen, aus denen die Künstler des Mittelalters den unübertrefflichen Lack ihrer Meistergeigen herstellten und die alten Aegypter die Leiber ihrer Toten einbalsamierten.

Den Mittelpunkt bildet der Honigstapel, dem Erzeugnis eingefangener Sonnenstrahlen, das schon die biblische Geschichte als Himmelsspeise kennt.
In den Einheitsgläsern des österreichischen Imkerbundes reiht sich Gefäß an Gefäß. Lichter Alpenblütenhonig aus Alpenrosen u. dgl. aus dem Oberland wechselt ab mit dunklem Honig aus den Blüten des Bärenklau in den Tälern, heuriger Honig wechselt mit kandiertem Honig früherer Jahre. Besonders anziehend wirkt die Wandgruppe der Frau Gmeiner aus Hittisau, die dann auch den ersten Preis errang, mit einer Sammlung lichten und dunklen Gebirgshonig aus den Jahren 1925 bis heuer. Sinnsprüche verweisen auf die hohe Nähr= und Heilkraft echten Bienenhonigs.

Leider ist die heurige Ernte nur gering, sodaß die launige Anfrage des Herrn Landeshauptmannes Dr. Ender am Tage der Eröffnung nur zu berechtigt war, ob denn auch die Vorarlberger Imker zu erfüllen vermögen, was sie durch den Aufruf an ihre Landsleute verheißen: heimischen Honig zu essen, um ihr Leben zu verlängern? Preise erhielten die Vereine Vorderland, Wald, Dornbirn und Feldkirch.

Nun folgen zwei Stände mit Bienenwohnungen und =geräten. Die Vorarlberger Einheitsbeute herrscht vor. Der Wirrwarr an Beuten hat nachgelassen. Einheimische Schreinermeister wie Bischof/Wolfurt, Sonderegge/=Koblach, Willi/Egg, auch Bastler wie Ferdinand Schatzmann/Feldkirch haben schöne, bienengemäße und mit Preisen ausgezeichnete Arbeiten ausgestellt. J.G. Müller aus Wolfurt wurde für zwei Schleudermaschinen ausgezeichnet.

Das Sehenswerteste sind die Präparate und anschaulichen Sammlungen über Bienenkrankheiten und -schädlinge sowie die Mittel zu deren Bekämpfung, die der Landesbienenzuchtsinspektor Karl Huchler in Hittisau in mühevoller Arbeit zusammengetragen hat. Er ist dafür auch durch den höchsten Preis belohnt worden. Wie gefährlich die Bienenkrankheiten in Vorarlberg sind, das beweist die Buntheit der Seuchenfähnchen, die unsere Landkarte bedecken. Obstbau und Landwirtschaft müßten erlahmen, würden unsere Bienlein aussterben !